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Die Reise ins Mittelalter ist maßgeschneidert

12.09.2007. Das Virus heißt Historie und grassiert seit dem Stadtjubiläum in Großbottwar. Leinengewänder haben Hochsaison vor dem zweiten Historischen Markt. In neue mittelalterliche Kleider hüllen sich sieben Frauen von der MAG-Historie und kassieren die Wegzoll-Silberlinge.

Wie geschickt, wenn man wie die Kultur & Historie-Gruppe der Bürgeraktion Miteinander attraktives Großbottwar (MAG) gleich eine Schneiderin an der Hand hat, die sich mit historischen Kostümen bestens auskennt. Aus reinem Leinen entwirft und näht Sigrid Schmidbauer-Titze in ihrem Atelier in Oberstenfeld gerade mittelalterliche Gewänder für sieben Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Alle sind sie verschieden in Schnitt und Farben, ergeben zusammen aber ein harmonisches Bild.

"Mein Kleid ist weinrot und tannengrün", erzählt Anita Titze. Sie ist eine vom Fähnlein der sieben neu Gewandeten, das beim Markttreiben am 29. und 30. September auftritt. Ihr Mann Peter und Thomas Titze, der Gatte der Schneidermeisterin, sind Cousins und bei MAG aktiv.

"Es soll ja schön ausschauen", sagt Sigrid Schmidbauer über die Suche nach einer Idee für den Kopfputz der Damen. Anita Titze zum Beispiel verabscheut die "ballonartigen Kappen", und wenn sie es noch so toll findet, so etwas Maßgeschneidertes anzuziehen: "Das ist wie Verkleiden als Kind, man sieht ganz anders aus und zieht die Aufmerksamkeit auf sich." Für sich hat sie auch noch einen sehr femininen Aspekt ausgemacht: "Wann tragen wir denn heute schon mal ein Kleid?" Schuhe braucht sie noch passende.

Katja Föll vom Sauserhof, das Mutter-und-Tochter-Paar Sabine und Evelyn Mahr, Sabine Maier, Daniela Majer und Antje Roh werden die neuen Kleider über die langen naturfarbenen Leinenhemden streifen. Die Mittelaltergewänder in den leicht verwaschenen Farbtönen sind entweder Ton in Ton oder in Kontrastfarben gehalten. Original 21. Jahrhundert sind allerdings die Dessous der Damen und auch die Schneiderkunst von Sigrid Schmidbauer: "Ich mach" selbstverständlich auch anderes als Historisches."

Historische Gewänder hat sie schon in Neuburg an der Donau geschneidert, bevor sie der Liebe wegen ins Bottwartal umgesiedelt ist. "Kostümkunde ist ein Traum. Das studiere ich, wenn ich die Schere weglege", ist sich die Schneidermeisterin sicher. Daran ist das Großbottwarer Stadtjubiläum schuld. Bevor die Gewänder für das mittelalterliche Paar Heidi und Dieter Rudolf entstanden, hatte Schmidbauer das Pfullinger Museum für württembergische Trachten besucht. So ist aus dem Faible eine Passion geworden.

"A Kleid war a Wert", sagt sie. Kleider seien kostbare Wertstücke gewesen, die sogar vererbt wurden. So hatte Mode über Generationen hinweg Gültigkeit. Nur das lange Unterhemd trug ein Weibsbild einst darunter. "Es war Tag- und Nachtwäsche in einem, wurde praktisch nicht ausgezogen. Bürgerfrauen hatten vielleicht zwei, die Magd nur eines", erklärt die Schneiderin. Geschnürt war in jedem Fall das Mieder des Kleides, denn es musste der Frau vor, während und nach der Schwangerschaft passen, ganz gleich, ob sie im Lauf ihres Lebens ab- oder zunahm.

Der Nachwuchs wird auch für den zweiten Markt präpariert. Vier Knaben werden von Sigrid Schmidbauer-Titze in leinene Hosen und Hemden gesteckt. Luis (3) ist der Jüngste, Marius (10) der Älteste und Tim und Nicolai liegen dazwischen. "Wir sind von Kultur & Hysterie", pflegt Anita Titze über den historischen Virus zu scherzen, "es hat wahnsinnig um sich gegriffen."

Luzia Grimm, Marbacher Zeitung

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Programmierung und Design: MAURER Kommunikationsdesign, Großbottwar.