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Eine Zeitreise zum Rathausgeburtstag

02.10.2006. Rund 11 000 Besucher haben am Wochenende eine Zeitreise unternommen. Mit einem historischen Markt im Großbottwarer Stadtkern ist der 450. Geburtstag des Rathauses gefeiert worden. Ritter, Gaukler und Handwerker tummelten sich hier.

Gar wunderlich aussehende Gestalten treiben sich am Wochenende in Großbottwar herum. Ein lumpiger Bettler beispielsweise, der von Passanten einen Taler begehrt. Starke Männer mit Fuchspelzen und Pfeil und Bogen um die Schultern. Finstere Gestalten gehen umher, und eine Wahrsagerin wirft in einem dunklen Zelt spärliches Licht auf die Fragen der Zukunft. Junge Burschen rackern sich an einem handbetriebenen Riesenrad ab. Hier und dort können die Besucher die Kunst des Messerwerfens und Bogenschießens erlernen. Gegessen wird aus Näpfen, getrunken aus Hörnern. 55 Teilnehmer aus ganz Deutschland haben ihre Buden und Zelte vor dem Rathaus aufgeschlagen und beim historischen Markt ein mittelalterliches Flair verbreitet.

Auch die Hiesigen haben ganze Arbeit geleistet. Der Platz vor dem Rathaus ist reizend verwandelt - mit Strohballen und Baumstümpfen bestückt. Sogar Mülltüten sind mit Jutesäcken getarnt. Das Großbottwarer Musikensemble Camino tres um Hans-Wolfgang Bock sorgt für die mittelalterlichen Klänge - die begeisterten Gäste geben "ein vortreffliches Handgeklapper". Das Untergeschoss des Rathauses ist in eine historische Markthalle verwandelt.

Durch das dunkle Großbottwar im Mittelalter lassen sich mehr als hundert Gäste führen. Die Nachtwächter Jörg Neuffer und Wolf-Diether Otto bugsieren die Besucher kreuz und quer in die finstersten Ecken. Die Straßenbeleuchtung ist ausgeschaltet - nur Schwedenfeuer spenden Licht. Plötzlich teilt sich die Menge: Ein Mädchen zieht schlurfend einen Karren hinter sich her, in dem eine Pestleiche liegt. "Macht, dass ihr wegkommt", wettert der Nachtwächter.

Organisatorin Daniela Majer vom Verein Miteinander Attraktives Großbottwar (MAG) ist sehr zufrieden mit ihrem Werk. Unterstützt haben sie Sabine Mahr und Mitglieder des Vereins, die als Steuereintreiber auf dem Markt unterwegs waren und Wegezoll kassiert haben. "Es ist alles so geworden, wie ich mir das vorgestellt habe", sagt sie und nestelt an ihrem historischen Gewand, weil ihr Handy klingelt.

Stephanie Jochim, Marbacher Zeitung

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Programmierung und Design: MAURER Kommunikationsdesign, Großbottwar.