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Familienausflug ins Mittelalter

01.10.2007. Die Stadt Großbottwar hat am Wochenende einen Zeitsprung erlebt. Ritterkämpfe haben stattgefunden. Gaukler sind durch die Stadt gezogen. Beim zweiten Historischen Markt haben sich zahlreiche Besucher vom bunten Geschehen des Mittelalters mitreißen lassen.

Der Ortskern von Großbottwar hat sich am Samstag und Sonntag in eine mittelalterliche Stadt verwandelt. Rund um den Marktplatz flanieren Menschen in Gewändern aus vergangenen Zeiten um Strohballen herum. Gaukler laden die Anwesenden mit Fanfaren zum Stehenbleiben und Staunen ein. Verkaufsstände bieten Schmuck und Handwerkskunst wie Trinkhörner oder Amulette feil. In der Luft liegt ein köstlicher Duft von frischen Riesenbrezeln und gegrilltem Fleisch.

Bereits zum zweiten Mal hat der Bürgerverein Miteinander Attraktives Großbottwar (MAG) gemeinsam mit der Stadt einen altertümlichen Markt organisiert. Eröffnet wurde der Markt von Herold Frank Goutier. Als Schultes erhält Rainer Gerhäusser das erste Freibier. "Vergangenes Jahr war es ein Erfolg", erzählt Daniela Majer, Leiterin des Projekts. "Die Händler waren zufrieden." Mehr als 10 000 Menschen haben die erste Veranstaltung besucht. "Es wäre schön, wenn wir das wieder schaffen", sagt Majer. Der Historische Markt zeigt den Besuchermassen, wie ein Tag im Mittelalter ausgesehen haben könnte. Wer die Stadtmauern passieren will, muss, ganz wie in alten Zeiten, zunächst Wegezoll von einem Taler zahlen.

Überall versammeln sich Leute, sehen den Gauklern zu, die mit Korbringen jonglieren und Kunststücke mit Flammen vorführen. Die Marktgänger fiebern bei Ritterkämpfen mit und beobachten Fechtduelle. Wer von einem Stand zum anderen laufen will, muss sich durch die Menge kämpfen. Eilig scheint es aber keiner zu haben: Schließlich gibt es an den 51 Ständen viel zu sehen. Bei Familie Wulfes aus Remshalden können die Besucher einen Blick auf Brettchenborte aus dem Spätmittelalter werfen. Würzig riecht es am Stand von Werner Arnold. "Wir sind die Kräuterey", sagt er. Er verkauft Produkte wie Schlafkissen mit Lavendel, Seifen, Liköre und Kräuter von Oregano bis Salbei.

Ursula und Gerd Stutzer präsentieren Drechselkunst. Bei Harald Peikert können Jung und Alt das Bogenschießen testen. Und "Amira, das Mäuseweib" veranstaltet das Spiel Mäuseroulette mit einem kleinen Nager namens Madame Lulu.

Gegen Abend laden die Veranstalter zur nächtlichen Stadtführung ein. Trotz Dämmerung bleiben die elektrischen Lampen aus: Stattdessen wird der Ortskern mit Fackeln beleuchtet. "So herrscht eine richtige Atmosphäre wie im Mittelalter", schwärmt Majer. "Der Historische Markt passt wunderbar zu der Kulisse Großbottwars", sagt Peter Traa. Der erste Vorsitzende des MAG produziert an der Saftpresse leckeren Apfelsaft. Nicht nur die Veranstalter haben sich in mittelalterliche Schale geworfen, sondern ebenso viele Besucher. So auch Hans und Brunhilde Römer aus Fellbach. "Wir interessieren uns dafür, wie die Leute damals gelebt haben", sagt das Ehepaar. Traa hofft, dass in Zukunft noch mehr Menschen kostümiert kommen.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Marktbesucher haben die Wahl zwischen Entenbrust, ofenwarmen Brezeln und Schupfnudeln. Die Menschen kosten Met, sogenannten Honigwein, und lassen sich das knusprige Stockbrot schmecken. Die umliegenden Gastronomien bieten weitere Spezialitäten an. Baldassare Blunda vom Restaurant La Piazzetta verkauft Pizzastücke als Käselappen. Der Inhaber der Stadtschänke, Illias Giumidis, bietet gewickelte Holzspäne (Gyros) und hellenischen roten Tropfen.

"Das ist das beste Fest in Großbottwar", schwärmt Thomas Szota. Der Historische Markt soll laut Daniela Majer eine feste Größe werden. "Wir werden das Fest auf jeden Fall in den kommenden Jahren weiterführen."

Tanja Capuana, Marbacher Zeitung

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Programmierung und Design: MAURER Kommunikationsdesign, Großbottwar.