Klamauk und Kurzweil locken die Massen
28.09.2009. Zünftig und rustikal geht es zu in der Budenstadt. "Hier darf gerülpst und gepupst werden", ruft ein Gaukler in die Menge. Und der Herold klärt bei der Eröffnung auf, dass die Notdurften in diesem Jahr unterhalb des Flusses verrichtet würden, damit die Wäsche der Waschfrauen rein bleibe. "Allerley Kurzweil", von der die Gäste begeistert sind.
Kein Wunder. Denn die engen Gassen und der idyllische Marktplatz bieten eine fantastische Kulisse, die authentischer nicht sein könnte. "Mein Herz ist heute so voll", schmettert der Minnesänger. Dem Pub-likum geht ebenfalls das Herz auf bei der lehrreichen Zeitreise. Auffallend viele Besucher haben sich in historische Gewänder gehüllt und als mittelalterliche Weibsleut" oder edle Herren gewandet. Die stilechte Garderobe samt dem schmucken Zubehör finden sie an den verschiedenen Ständen.
Dass die Gewandeten längst nicht mehr als Exoten gelten, freut die Organisatorin Daniela Majer von Miteinander Attraktives Großbottwar (MAG) besonders. Der Mittelaltermarkt sei schließlich keine Eintagsfliege und die Kostüme könnten immer wieder eingesetzt werden. Mit der vierten Auflage des historischen Spektakels ist Majer zufrieden. Der Zuspruch steige von mal zu mal. "Es wird immer heimeliger hier", schwärmt die MAG-Projektleiterin.
Nicht nur die Besucher strömen am Wochenende in die Altstadt. Auch bei den Händlern hat sich die Veranstaltung inzwischen herumgesprochen. Mit insgesamt 57 Marktbeschickern sind in diesem Jahr zehn Buden mehr als bislang aufgebaut. Die MAG hat Altbewährtes und Noch-nicht-Dagewesenes miteinander kombiniert. Zum ersten Mal kann eine Sauna beim Bader besucht werden. Auch ein Papiermacher baut erstmals seine Freiluftwerkstatt auf.
Apropos Werkstatt. Die schwitzenden Handwerker zeigen ihr Können an Ort und Stelle. In der Korbmacherei schauen die Besucher den gestandenen Männern genauso über die Schulter wie in der Seilmacher-Werkstatt und beim Färber. Beim Blick in die Menschenmassen wird klar: Braun, Rot und Grün waren die eindeutigen Trendfarben im Mittelalter. Die wallenden Kleider weicht der Färber erst stundenlang in Alaunwasser ein, bevor er das Kleidungsstück in einem Sud mit Faulbaumrinde legt. Das Resultat ist eine modische Robe in einem kräftigen Braunton.
Auch die Herren der Schöpfung werden fündig. Das Angebot reicht von schicken Schnabelschuhen über verzierte Schilde bis hin zu pompösen Gürtelschnallen. Und wer beim Lustwandeln eine Pause braucht, lässt sich von der Wahrsagerin Athene die Zukunft aus der Hand lesen oder stärkt Körper und Geist mit Räuchermischungen und Elixieren. Für die gute Laune sind die unterhaltsamen Gaukler und Musikanten zuständig. Auch edle Rittersleut" ohne Furcht und Tadel tummeln sich auf dem Marktplatz. Beim lebhaften Spektakel sind einmal mehr sämtliche Generationen auf ihre Kosten gekommen.
































