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Mit Muskeln und Köpfchen bei der Arbeit

22.09.2006. Im Minutentakt schallen aus dem kleinen Zelt Schläge. Lautstark kracht der Fallhammer auf das kleine Stück Metall. Schon wegen der Geräuschkulisse ist dem Münzpräger Patrick Simm auf dem Historischen Markt in Großbottwar die Aufmerksamkeit gewiss.

Noch wirkt Patrick Simm etwas müde. Erst vor drei Tagen ist er von einem Markt zurückgekehrt, wo der Schaupräger rund 300 Münzen angefertigt hat. Statt auf eine moderne Maschine setzt der Renninger dabei auf eine Prägetechnik aus dem 14. Jahrhundert: den Fallhammer. Das bedeutet: 300-mal den Prägezylinder nach oben hieven, fallen lassen und sofort wieder auffangen. Mit jedem Mal bewegt der 33-Jährige dabei eine Presskraft von rund 30 Tonnen. "Das steckt jetzt noch in den Knochen", stöhnt Patrick Simm.

Dabei kommt es bei seinem Handwerk keineswegs nur auf Muskeln an. Auch die Gedanken müssen bei der Arbeit sein. Sitzen die Handgriffe nicht sicher, riskiert Simm eine Fehlprägung. "Die hat auch ihren Wert, ist aber nicht das, was wir eigentlich wollen."

Sammler dürften es vor allem auf die fehlerfrei vorproduzierten Münzen aus 1000er-Feinsilber abgesehen haben. Deren Vorderseite ziert das Rathaus von Großbottwar, die Rückseite zeigt das Stadtwappen und den Anlass: das Doppeljubiläum 750 Jahre Stadt Großbottwar und 450 Jahre Rathaus. Auf dem Historischen Markt am nächsten Wochenende werden die Gedenktaler angeboten: "Sie sind zwar kein offizielles Zahlungsmittel, aber dafür ist die Auflage auf 300 Stück limitiert." Jeder einzelne Taler trägt eine Produktionsnummer. Auf dem Historischen Markt lassen sich aber auch Einblicke in die Handwerkskunst gewinnen. Die Taler aus Zinn oder Messing kann sich jeder Besucher vor Ort prägen lassen.

Der Renninger Unternehmer Patrick Simm, der im vergangenen Jahr den elterlichen Betrieb in Renningen übernommen hat, setzt die Traditionspflege des Vaters fort. "Wir beschäftigen eigene Graveure", berichtet der 33-Jährige stolz. Die Prägestempel werden allesamt von Hand nachgearbeitet. "Die Graveure brauchen viel Erfahrung, um ein Motiv plastisch wirken zu lassen", sagt Simm, der als gelernter Werkzeugmacher die Handwerkskunst zu schätzen weiß.

Dass der junge Unternehmer dennoch auf die mittelalterliche Technik setzt, hat einen einfachen Grund. "Von allen Prägetechniken bietet der Fallhammer den größten Effekt." Einen weithin hörbaren nämlich. Und jedesmal, wenn in der aufgebauten "Münzerei" der Hammer auf das Metall kracht, schrecken die Menschen vor dem Zelt zusammen. Und dann, daran hat Patrick Simm keinen Zweifel, werden sie auch in Großbottwar nachschauen, was da los ist.

Dominik Thewes, Marbacher Zeitung

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Programmierung und Design: MAURER Kommunikationsdesign, Großbottwar.