Mittelalter zum Anfassen
26.09.2011. Der ehrenamtliche Bürgerverein MAG (Miteinander Attraktives Großbottwar) und die Stadt organisieren und veranstalten auch 2011 wieder allerhand "Kurzweyl".
Das letzte Septemberwochenende ist seit 2006 in Großbottwar dem Mittelalter gewidmet. Aus Anlass des Jubiläums 750 Jahre Stadtgeschichte verzauberten damals Gaukler, Feuerschlucker und Musikanten die Besucher im historischen Ortskern. Seitdem kommen die Rittersleut" und Handwerker alle Jahre wieder. Der ehrenamtliche Bürgerverein MAG (Miteinander Attraktives Großbottwar) und die Stadt organisieren und veranstalten die "Kurzweyl".
Silberlinge
Bei spätsommerlich schönem Wetter strömen an diesem Wochenende die Zuschauer in Heerscharen. An drei Eingangstoren zur Stadt wird Wegezoll kassiert, drei Silberlinge (Euro) für einen, vier für beide Markttage. Rund um den Marktplatz und in den angrenzenden Straßen wird musiziert und getanzt, bieten die Händler und Handwerker ihre Waren feil.
Rüdiger Engelhardt aus Schwäbisch Hall hat seine Wippdrechseley an der Stadtmauer aufgebaut. Nach englischen Vorbildern und archäologischen Zeichnungen hat er sein Gerät mithilfe von Ästen und Seilen konstruiert. "Das Gute an der Maschine ist, dass sich das eingespannte Holz vor und zurück bewegt, nicht nur in eine Richtung", schwärmt der Drechsler, der schon die ganze mittelalterliche Hierarchie durchgemacht hat: Er war Knappe und Aussätziger, Stelzenläufer und Fahnenschwinger.
Das kleinste Riesenrad der Welt, handbetrieben und aus Holz, begeistert die Kinder ebenso wie das Drachenaufwecken mit der Armbrust oder das Sternewerfen. Sven sucht sich an einem Stand ein Schwert und eine Wurfaxt aus. Der mittelalterliche Lokus ist unterteilt für die langhaarige und die kurzhaarige Klientel, Badezuber und Sauna warten auf Besucher, im eisernen Topf köchelt Rindfleischsuppe über dem Holzfeuer. Milites regis aus Thüringen ist mit einer großen Lagergruppe angereist.
Bei Heiko Kreßin ist's laut. Der Schmied aus Gotha hämmert glühendes Eisen zu "Dingen, die keiner braucht", wie er lachend gesteht. Bei Märkten mit Stadtfestcharakter wie in Großbottwar geht es nur ums Demonstrieren. Auf den großen Themen-Märkten, wo zum Beispiel ganze Schlachten nachgestellt werden, erhält er seine Schmiedeaufträge: Reparatur von Rüstungen, Sporen, Messern, Gabeln.
Zauber
Im runden Jurtenzelt von Dana Preiß macht sich orientalischer Zauber breit. Filzprodukte und Sandsteinskulpturen konkurrieren mit Intarsienarbeiten aus Syrien. Auch Märchenerzähler, Wahrsagerinnen und nächtliche Stadtführungen gehören zum kunterbunten Marktleben im Mittelalter. Daniela Majer, die Cheforganisatorin, hat Geschichte lebendig werden lassen.
































